Q10 Wundermittel oder unnötige Nahrungsergänzung?
Was ist
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Q10 gehört zu den so genannten Ubichinonen. Dabei handelt es sich chemisch um einen Chinonring, der als Seitenkette ein oder mehrere Isoprenmoleküle hat. Von der Anzahl der Isoprenmoleküle hängt die Bezeichnung ab, also bei einem Molekül Q1, bei fünf Q5 oder bei zehn eben Q10. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der menschliche Organismus nur das Q10 benötigt. Aus „niederen“ Ubichinonen wie Q8 oder 9 kann er aber selbst Ubich inon Q10 (im Folgenden nur kurz „Q10“ genannt) herstellen. Der Begriff „Ubich inon“ stammt von „Chinon“ und „ubiquitär“ (=überall vorkommend). Alle Lebewesen auf der Erde – Säugetiere, Wirbellose, Pflanzen, Hefen, Pilze oder Bakterien – sind auf die Ubichinone angewiesen. Das unterstreicht die Universalität dieser Substanz. Wir bezeichnen es auch als so genannten Vitaminoid. Es ist also ein Stoff mit vitaminähnlichen Funktionen, stellt aber kein Vitamin dar, da der Körper es auch selbst synthetisieren kann. Ein Teil wird mit der Nahrung zugeführt, wobei diese Menge oft nicht ausreicht, um soviel aufzunehmen, wie dies bei manchen Erkrankungen erwünscht ist. Beispielsweise müsste man mehr als drei Pfund Sardinen essen (Sardinen sind relativ Q10-reich), um 100 mg Q10 zu erhalten. Zur Geschichte von Q10
Ø
1957:
Entdeckung von Q10 in den Mitochondrien („Kraftwerke der Zelle“) von
Rinderherzen Ø 1970: Erste wirtschaftliche Synthese von Q10 in Japan
Ø
1974:
Verwendung von Q10 als
Medikament bei
Ø 1978: Verleihung des Nobelpreises für die Erforschung von Q10 an Mitchell Wofür brauchen wir eigentlich Q10? Q10 ist ein wichtiger Bestandteil der Atmungskette. Ohne Q10 könnten die Mitochondrien in unseren Zellen keine Energie aus der Sauerstoffverbrennung herstellen. Ob Muskeltätigkeit, Nervenaktivität, Zellregenerationsprozesse oder Immunreaktionen – alles läuft nur dann optimal ab, wenn die Zellen ausreichend Q10 zur Verfügung haben. Q10 ist so alt wie die Atmungskette selbst, ohne welches diese nicht funktionieren könnte. Seit mehreren hundert Millionen Jahren bedienen sich Organismen auf der Erde dieses Mechanismus, ohne dass sich dieser in dieser Evolution entscheidend geändert hätte (lediglich die Isoprenketten sind im Laufe des evolutionären Prozessen von niederen zu höheren Organismen länger geworden). Die Verbrennung von Sauerstoff hat der Evolution einen entscheidenden Schub verliehen. Bei diesem Prozess wird sehr viel mehr Energie frei gesetzt als bei der „langsamen“ Gärung oder der Photosynthese. Unser mobiles Leben, wie wir es praktisch nur von höheren Tieren (biologisch ist der Mensch ein solches) kennen, war nur so möglich geworden. Leider hat diese effiziente Art der Energiegewinnung einen großen Nachteil: Ständig entstehen dabei freie Sauerstoffradikale, die Mitochondrien, Zellkern und andere biologische Strukturen schädigen, ja sogar zerstören können, wenn die Reparaturmechanismen nicht nachkommen. Um den entgegenzuwirken hat die Natur zahlreiche Entgiftungssysteme ersonnen, die Radikale unschädlich zu machen vermögen: Enzyme wie die (selenhaltige) Glutathionperoxidase oder Superoxiddismutase, Vitamine wie das wasserlösliche Vitamin C und das fettlösliche Vitamin E und so genannte sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe wie Anthocyane aus dem Rotwein oder Katechine aus dem Grüntee. Eines der wichtigsten Antioxidantien, die freie Radikale neutralisieren können, ist das Q10. Daneben regeneriert es sogar das wichtige Vitamin E. Bei diesen Entgiftungsprozessen kann es allerdings verbraucht und muss daher ersetzt werden. Bei allen erhöhten Belastungen mit Radikalen (z.B. starke körperliche Anstrengungen, Umweltbelastungen, alle Entzündungskrankheiten wie Rheuma oder Asthma) ist der Q10-Bedarf daher möglicherweise erhöht. Ein
besonderes Problem stellt die Therapie mit
Bei welchen Krankheiten findet man häufig einen Q10-Mangel? Der Q10-Spiegel des Gesunden liegt normalerweise zwischen 0,6 und 1,2 mg/l. Das heißt keineswegs, dass dies der optimale Wert ist. Bei einigen Erkrankungen und Störungen sind höhere Spiegel möglicherweise geeignet, die Krankheit positiv zu beeinflussen. Gerade bei diesen Erkrankungen liegen fatalerweise aber oft besonders niedrige Spiegel vor. Im Einzelnen sind dies:
Ø
Koronare Herzkrankheit, Angina pectoris Bei all
diesen Krankheiten lohnt sich eine Blutuntersuchung auf Q10. Bei einem Mangel
sollte dieser auf jeden Fall ausgeglichen werden. An dieser Stelle soll nur die
körperliche Leistungsfähigkeit eine kurze Erwähnung verdienen. Da Q10
für den Energiestoffwechsel eine entscheidende Bedeutung hat, ist die richtige
Zufuhr von Q10 gerade bei erschöpften oder aber bei besonders sportlichen
Menschen sehr wichtig. Patienten mit
Wie sollte mit Q10 therapiert werden? Viele Q10 -Präparate enthalten 30-50 mg Q10, Kombinationspräparate oft noch viel weniger. Damit kann man zwar den gröbsten Mangel vermeiden, manchmal gelangt man sogar in den oberen Normbereich. Als optimal hat es sich aber erwiesen, bei schweren Erkrankungen - zumindest zu Beginn der Therapie durchaus höhere Spiegel als den Normbereich anzustreben. Dabei kann bis zum Doppelten der oberen Normgrenze, also etwa 2,5 mg/l, angestrebt werden. Für diesen hohen Spiegel sind manchmal Dosen bis zu 3 mg/kg Körpergewicht nötig, d.h. bei einem Normalgewichtigen etwa 200 mg täglich. Bei Erreichen des optimalen Levels sollte dieser etwa 3 Monate gehalten werden. Dann kann versucht werden, mit einer Erhaltungsdosis von etwa einem mg/kg Körpergewicht einen Spiegel an der oberen Normgrenze von 1,2 mg/l zu erreichen und stabil zu halten. Zu all
diesen Regeln ist zu sagen, dass es sich nur um ungefähre Dosisempfehlungen
handelt, die im Einzelfall – je nach Zufuhr über die Nahrung, Eigensynthese und
Verbrauch von Q10 – individuell teilweise erheblich schwanken können.
Eine optimale Therapiesteuerung kann man nur mit einem regelmäßigen
Labormonitoring von Q10 im Blut erreichen. Dabei kann etwa 4 Wochen nach einer
Dosisänderung (Beginn einer Therapie, Dosissteigerung oder Dosisreduktion) eine
Laborkontrolle sinnvoll sein, da spätestens dann ein gleich bleibender Spiegel
bei regelmäßiger Einnahme erwartet werden kann. Daneben sind natürlich auch die
Beachtung der subjektiven Beschwerden (z.B. Luftnot beim Treppensteigen,
Erschöpfung) oder objektive Befunde (z.B. Steigerung der maximalen tolerablen
Leistung im Belastungs-EKG, Verringerung von Laborparametern zur Beurteilung von
In einer japanischen Studie erhielten Koronarkranke mit Angina pectoris (Herzenge bei Belastung) 150 mg Q10 täglich. Herunter reduzierten sich die Anzahl der Herzanfälle von 5,3 auf 2,5 und die Häufigkeit der Nitroglyceringabe (Mittel zur kurzfristigen Erweiterung der Herzkranzgefäße) von 2,6 auf 1,3. Weitere Anwendungsgebiete von Q10 Zusammen mit Vitamin C ist Q10 bei paradontalen Erkrankungen (z.B. Entzündungen der Zahnfleischtaschen) hilfreich. Hier ist eine lokale Gabe (z.B. Tropfen, die im Mund gespült werden) zu bevorzugen. Anschließend können die Tropfen geschluckt werden, um auch noch eine systemische Wirkung zu entfalten. Bei Krebs kommt es häufig zu Nebenwirkungen durch Bestrahlung und Chemotherapie. Es gibt Hinweise aus Tierversuchen und klinischen Studien, dass diese Nebenwirkungen der Therapie durch Q10 vermindert werden können. Nicht selten kommt im Laufe von Krebserkrankungen auch zu chronischen Erschöpfungszuständen, die durch Q10 mitunter gebessert werden können – insbesondere wenn sich ein Q10-Mangel im Blut nachweisen lässt. Muskeldystrophien (Muskelschwund) sind therapeutisch kaum zu beeinflussen. Versuchsweise sollte auch hier Q10 zum Einsatz kommen, da es den Energiestoffwechsel der Muskelzellen verbessert. Es gibt einige Erfahrungsberichte, die Verbesserungen der muskulären Situation nahe legen. Migräne kann manchmal durch Q10 ebenfalls günstig beeinflusst werden. Neben anderen bewährten Maßnahmen kann sich eine Diagnostik von und Therapie mit Q10 bei Migräne als sehr hilfreich erweisen. Diabetiker haben aufgrund ihres gestörten Zuckerstoffwechsels eine höhere Belastung mit freien Radikalen. Hier kann die Gabe des antioxidativ wirksamen Q10s hilfreich sein. Q10 verbessert außerdem den mitochondrialen Stoffwechsel und damit die häufig bei Diabetikern beeinträchtigte Energiegewinnung. Günstige Berichte gibt es in letzter Zeit auch bei der Behandlung von Tinnitus. Diese unangenehmen Ohrgeräusche sind therapeutischen Maßnahmen oftmals kaum zugänglich. Dann sollte auch ein Versuch mit hoch dosiertem Q10 durchgeführt werden. Aufgrund
der nachgewiesenen neuroprotektiven (Nervenschutz-) Wirkung von Q10 könnte es
auch ein interessanter Therapieansatz bei therapeutisch nur sehr mäßig zu
beeinflussenden
Nervenerkrankungen
wie
Fazit Q10 ist eines der interessantesten Nahrungsergänzungsmittel der letzten Jahre, welches in der (konventionellen) Medizin noch viel zuwenig Beachtung findet. Auch dort, wo es bereits eingesetzt wird – in vielen Naturheilpraxen oder in der Selbstbehandlung -, werden optimale Therapieerfolge oftmals nicht erreicht, weil mit falschen Dosierungen gearbeitet oder der Vorteil eines Labormonitorings nicht genutzt wird. Bei den beschriebenen Indikationen lohnt es sich auf jeden Fall, Q10 in die Therapieerwägungen mit einzubeziehen. Die Erfolge der Behandlung können so deutlich verbessert werden – manchmal sogar dramatisch. Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz.
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