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Hypertonie ©
Hypertonie tut nicht weh…

…die Folgen aber leider schon. Wenn die Hypertonie Schmerzen bereiten würde, dann wären vermutlich auch mehr Menschen bereit, aktiv durch eine andere Lebensweise für eine Normalisierung der Hypertonie zu sorgen, oder wenigstens die Hypertonie medikamentös einstellen zu lassen.

Wie häufig ist die Hypertonie?

Mehr als 15 Millionen Deutsche leiden unter Hypertonie. Bei den über 65jähigen ist sogar jeder Zweite betroffen. Aber nur die Hälfte der Betroffenen wissen überhaupt, dass sie eine Hypertonie haben. Von den Menschen, bei denen die Hypertonie bekannt ist, wird auch nur etwa die Hälfte behandelt. Von denen, die immerhin behandelt werden, wird aber nur die Hälfte ausreichend behandelt. Das bedeutet unter dem Strich: Die wenigsten Menschen mit Hypertonie werden ausreichend oder überhaupt behandelt.

Welche Krankheiten können durch Hypertonie entstehen?

Hypertonie ist asymptomatisch, d.h. sie verursacht in der Regel keinerlei Symptome wie z.B. Schmerzen. Lediglich bei plötzlich auftretenden extrem hohen Werten kann es beispielsweise zu Kopfschmerzen, Herzklopfen, Angst, Schwindel, Luftnot oder Herzbeklemmung kommen. Für die Behandlungstreue wäre es möglicherweise günstiger, wenn wir die Hypertonie mitunter auch schmerzhaft spüren würden.

Die Folgen einer langjährig bestehenden Hypertonie können Sie aber umso drastischer zu spüren. Die wichtigsten Spätkomplikationen sind:

  ♥  Arteriosklerose (Gefäßverkalkung)
  ♥ 
koronare Herzkrankheit (Verengung der Herzkranzgefäße)
  ♥  Herzinfarkt
  ♥  Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  ♥  Vorhofflimmern (eine besondere Herzrhythmusstörung)
  ♥  Hirnschädigung oder Schlaganfall (hierfür ist der Bluthochdruck sogar der bedeutendste
      Risikofaktor)

  ♥  Verkalkung oder Aussackungen der Hauptschlagader mit Gefahr des Reißens und Verblutens
  ♥  Nierenschädigung und -versagen
  ♥  Augenschädigung mit Nachlassen der Sehleistung

Wie hoch darf der Blutdruck sein?

►  Kleiner als 140/85: Gute Einstellung, bei verdickter Herzmuskelwand kann ein niedrigerer Druck sinnvoll sein.

►  140/85-160/95: Grenzwert- Hypertonie, engmaschige Kontrollen notwendig, in Abhängigkeit von der Gesamtsituation kann eine Behandlung erforderlich sein.

►  Größer 160/95: manifeste Hypertonie, Folgekrankheiten sind wahrscheinlich.

Was verursacht eine Hypertonie?

Wir unterscheiden die sekundäre Hypertonie, die als Folge einer anderen Krankheit oder Störung auftritt, von der primären oder essentiellen Hypertonie, deren Ursache letztlich ungeklärt ist.

Ursachen für eine sekundäre Hypertonie sind:

  • Hormonstörungen (z. B. Schilddrüsenüberfunktion, Nebennierentumor)
  • Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Appetitzügler, "Pille", Abführmittel, Cortisonpräparate, manche Psychopharmaka oder Antirheumatika)
  • Nierenerkrankungen (z. B. Verengung der Nierenarterie, Zystenniere)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankung (z. B. Undichtigkeit der Aortenklappe)
  • Erkrankungen des Nervensystems (z. B. Hirntumor)

Die sekundäre Hypertonie ist aber nur für wenige Prozent der Hypertonie-Erkrankungen verantwortlich. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle handelt es sich hingegen um eine so genannte essentielle Hypertonie, eine Hypertonie unbekannter Ursache. Nichtsdestotrotz gibt es einige Faktoren, die das Auftreten dieser Krankheit begünstigen können:

  • Vererbung: Sind Verwandte (besonders die Eltern) von Hypertonie betroffen, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eine Hypertonie entwickeln, stark erhöht. Dieser genetische Anteil scheint einer der bedeutendsten Faktoren der Entwicklung einer Hypertonie zu sein(siehe auch Bluthochdruck (genetische Veranlagung).
  • Übergewicht: "Dicke" haben dreimal so häufig eine Hypertonie wie Normalgewichtige. Pro kg Gewichtszunahme steigt der Blutdruck um etwa einen mmHg.
  • Salzreiche Ernährung: Etwa 30 % der Bevölkerung (bei Übergewichtigen sind es noch mehr) sind "salzsensitiv", d.h. sie reagieren auf übermäßige Salzzufuhr mit Hypertonie.
  • Stress: Prüfungen, Lärm, Kränkungen und andere emotional belastende Situationen können kurzfristig oder dauerhaft Ihren Blutdruck erhöhen.
  • Psycho-soziales Umfeld: Soziale Anpassungsprobleme, aggressiv ausgetragene Konflikte oder eine Atmosphäre an der Arbeit, in der Familie oder im Verein mit Ablehnung oder Kritik können zur Hypertonie beitragen.
  • Genussmittel: Sowohl Alkohol, als auch Nikotin und koffeinhaltige Getränke können zur Blutdrucksteigerung führen. Alkohol führt zwar kurzfristig durch Gefäßerweiterung zu einer Senkung, langfristig steigt er allerdings bei vielen Menschen, auch bei „moderater“ Alkoholzufuhr.
  • Bewegungsarmut: Regelmäßig durchgeführte Ausdauerbelastungen führen langfristig zu einer Blutdrucksenkung. Bewegung hat dabei eine Wirkung wie die der Beta-Blocker, ohne mit deren Nebenwirkungen behaftet zu sein.
Welche Diagnostik ist sinnvoll?

Das erste Mal wird der Hypertoniker, also der Bluthochdruck-Kranke, meist durch eine Messung beim Arzt, beim Heilpraktiker oder in der Apotheke auf die Hypertonie aufmerksam gemacht. Eine Schwalbe macht aber noch keinen Frühling. Oft liegt nämlich ein so genannter "Weißkitteleffekt" vor. Wenn der Arzt oder die charmante Arzthelferin den Blutdruck misst, ist er vielleicht aus eben diesem Grund erhöht. Als Ruheblutdruck zählt eigentlich nur der Wert, den Sie nach mindestens zehn Minuten Ruhe ohne körperliche Anstrengung oder Aufregung messen lassen. Es ist also sehr günstig, wenn Sie selbst gelegentlich den Blutdruck messen (siehe unseren Artikel Blutdruckmessung).

Nur ein dünner Herzmuskel ist ein guter Herzmuskel!

Eine weitere Untersuchung zur Feststellung der Hypertonie ist das Echokardiogramm. Bei diesem "Echo", der Vermessung des Herzens mit Ultraschallwellen, kann der Arzt unter anderem die Dicke der Herzmuskelwände bestimmen. Wenn das Herz immer gegen einen hohen Gefäßdruck anarbeiten muss, dann wird der Herzmuskel gewissermaßen trainiert und reagiert mit einer Verdickung. Je dicker der Muskel, desto schlechter wird er mit Sauerstoff versorgt. Da die Herzmuskelwand von außen nach innen durchblutet wird, ist bei einem dicken Muskel die Innenschicht "die letzte Wiese". Sie bekommt dann im Ernstfall zuwenig Sauerstoff ab und wird langfristig geschädigt.

Wenn der Arzt bei Ihnen eine solche Verdickung der Herzmuskelwände (Fachbegriff: Linksherzhypertophie) feststellt, dann ist "Holland in Not", dann muss eine bestehende Hypertonie sehr viel aggressiver gesenkt werden, als wenn der Blutdruck "nur erhöht" ist, aber noch keine Schäden am Herzmuskel hinterlassen hat. Wenn der Blutdruck auf "Normalwerte" oder sogar darunter gesenkt wird, dann können sich Wände wieder verdünnen. Meist werden hierzu allerdings blutdrucksenkende Medikamente benötigt. Die Herzscheidewand, das so genannte Septum, sollte eine Dicke von 12 mm nicht übersteigen.

Welchen Wert hat das Belastungs-EKG?

Beim Belastungs-EKG werden Sie und Ihr Herz meist mit Fahrradfahren (auch Kletterstufe oder Laufband sind möglich) bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit belastet. Treten hierunter Herzrhythmusstörungen auf, gibt es Hinweise auf einen Sauerstoffmangel im Herzen und wie reagiert der Blutdruck unter Belastung? Dies sind einige der wichtigen Fragen, die nur mit einer solchen kontrollierten Provokation beantwortet werden können.

Ein sonst normaler Blutdruck kann unter körperlicher Belastung manchmal überschießend reagieren. Er steigt dann überdurchschnittlich an. Als Grenzwert gilt ein Wert von systolisch 200 mmHg bei 100 Watt Leistung. Der diastolische Wert sollte hingegen auch bei hohen Belastungen niemals über 100 mmHg ansteigen. Liegt zusätzlich zu erhöhten Ruheblutdruckwerten noch eine solche Belastungshypertonie vor, ist ebenfalls eine forschere Senkung angezeigt.

Manchmal kommt es jedoch auch dazu, dass hohe Ruhewerte sich unter Belastung denen von "Normotonikern" angleichen. Dies spricht eher für einen vegetativ bedingten Blutdruck. Entspannungsübungen und vegetativ ausgleichende Maßnahmen wie pflanzliche Beruhigungsmittel, Sauna, vor allem aber Ausdauersportarten sind dann besonders angezeigt

Weitere Untersuchungen

Manchmal können Untersuchungen zum Ausschluss einer sekundären Hypertonie sinnvoll sein. Diese sind aber nicht bei jeder neu entdeckten Hypertonie erforderlich, sondern nur dann, wenn es konkrete Hinweise auf eine der Ursachen gibt. Ein Indiz für eine sekundäre Hypertonie stellt die ungenügende Nachtabsenkung des Blutdruckes in der Langzeitmessung dar. Eine Diagnostik der Blutsalze, bestimmter Hormone oder auch der Nierenarterie kann dann nötig sein.

Hypertonie - Runter mit dem Druck

In diesem Beitrag soll es um die erfolgreiche Senkung einer Hypertonie gehen. Leider wird dieser gefährlichen, für viele Folgekrankheiten verantwortlichen Störung nicht immer die Aufmerksamkeit und die Behandlung zuteil, die sie eigentlich verdient hätte (siehe auch Einleitung über die Häufigkeit der Hypertonie und die Qualität der Behandlung).

Warum wird die Hypertonie nicht behandelt?

Blutdruck tut nicht weh. Warum sollte jemand entweder seine Lebensweise drastisch ändern oder gar jahre- oder lebenslang Medikamente nehmen, wenn keine Beschwerden bestehen? Dass das Risiko, einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder ein Nierenleiden zu bekommen, deutlich gesenkt werden kann, ist zwar intellektuell erfassbar, der Nutzen einer Senkung ist am eigenen Leib aber nicht unmittelbar spürbar.

Nicht wenige Betroffene wissen zwar um die Gefahr, die von einer Hypertonie ausgeht. Die potentielle Gefahr, die von den Antihypertonika, den Blutdruckh(a)emmern ausgeht, wird aber nicht selten als noch größer eingeschätzt - gerade auch von naturheilkundlich orientierten Menschen.

Daher sei gleich zu Beginn meine dringende Empfehlung ausgesprochen: Senken Sie Ihre Hypertonie in vernünftige Bereiche. Wenn irgend möglich, sollten Sie dies mit naturheilkundlichen Maßnahmen erreichen. Sollte dies aber nicht gelingen, so zögern Sie nicht, auch konventionelle Medikamente einzusetzen.

Nebenwirkungen der Medikamente gegen Nebenwirkungen der Hypertonie abwägen

Die Liste der Nebenwirkungen im Beipackzettel ist meist lang und bedrohlich. Bei den meisten Anwendern treten diese Nebenwirkungen jedoch nicht oder in einem erträglichen Maße ein. Sind die Nebenwirkungen zu stark, so wählen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt ein Medikament einer anderen Substanzklasse aus. Es gibt für praktisch jeden Menschen mindestens ein Hypertonie -Medikament, welches gut vertragen wird - es sei denn, es liegt eine Phobie gegen synthetische Medikamente vor, dann werden vom Patienten die "Nebenwirkungen" unbewusst "produziert". Wenn es gar nicht anders geht und Sie ein Mittel einnehmen sollten, dann ist es besser, Sie nehmen es mit einem guten Gefühl als mit einer Aversion ein. Betrachten Sie es als Ihren „Freund“, der Ihnen helfen will. Sie werden dann eine bessere Wirkung und weniger Nebenwirkungen haben.

Da die Hypertonie meist tagsüber die höchsten Werte aufweist, sollten wir natürlich auch am Tage am besten davor geschützt sein. Gerade unmittelbar nach dem Aufstehen werden nicht selten die höchsten Werte gemessen. Es ist daher oft sinnvoll, die Blutdruckmedikamente bereits vor dem Frühstück oder besser noch „auf der Bettkante“ einzunehmen. Nach dem Frühstück eingenommen, dauert es meist mehrere Stunden, bis die richtige Wirkung entfaltet wird.

Medikamente gegen Hypertonie

Beta-Blocker blockieren die Auswirkung von Stress auf das Herz. Blutdruck, Puls und Herzkraft sinken.
Kalzium-Antagonisten erweitern die Gefäße und schützen die Niere.
Diuretika (
Entwässerungsmittel) entlasten das Gefäßsystem und das Herz durch eine vermehrte Ausscheidung von Salz und Wasser über die Nieren.
ACE-Hemmer und AT1-Rezeptorenblocker greifen in die Regulation des Hormons Angiotensin ein, welches für die Gefäßspannung verantwortlich ist.
Alpha-Blocker hemmen einen Rezeptor an den Gefäßwänden und führen so zur Gefäßentspannung.

Sollte eine sekundäre Hypertonie bestehen, so sollte sie - wenn möglich - einer ursächlichen Behandlung zugeführt werden. Dies kann beispielsweise die Normalisierung einer Schilddrüsenüberfunktion oder die Entfernung eines Nebenschilddrüsentumors sein.

Naturheilkunde wirkt

Etwa 95 % aller Hypertonie -Patienten leiden unter einer sog. essentiellen Hypertonie, für die es keine fassbare Ursache, aber begünstigende Faktoren gibt. Dieser lässt sich durch geeignete Naturheilverfahren meist in den Normbereich absenken. Ist dies nicht allein durch natürliche Methoden möglich, so stellen die Naturheilverfahren dennoch eine Unterstützung einer gegebenenfalls erforderlichen schulmedizinischen Therapie dar. Die einzelnen Verfahren sollen hier ausführlicher dargestellt werden.

Ordnungstherapie/Psychosomatik

Hypertonie - Patienten leiden nicht selten an geringer Selbsteinschätzung. Sie stellen oft hohe Anforderungen an sich selbst ("setzen sich unter Druck"), sind sehr fleißig und leistungsorientiert. Oftmals werden auch Konflikte nicht offen ausgetreten und schwelen im Verborgenen weiter. Manchen Patienten läuft aber auch "die Galle über" (Choleriker), was zur Entwicklung und Verstärkung der Hypertonie beiträgt.

Wenn Sie sich hier wieder finden, so sollten Sie lernen, Konflikte nicht um jeden Preis zu vermeiden, sie gegebenenfalls offen und angemessen, aber nicht mit übertriebener Wut auszutragen. Entspannungstherapien wie Yoga,
Autogenes Training oder Muskelentspannungstraining nach Jacobson können sehr hilfreich sein. „Das“ beste Entspannungsverfahren gibt es nicht. Das beste ist jenes, mit dem Sie sich wohl fühlen. Fatal ist, dass gerade die rationalen, stressanfälligen Hypertoniker von diesem "meditativen Quatsch" nicht besonders viel halten.

Seien doch Sie offen! Enge im Denken verengt auch das Herz und die Gefäße. Probieren Sie Entspannungstechniken doch einmal für einige Wochen aus - in jeder Volkshochschule kann man diese Techniken heutzutage für wenig Geld und mit geringem Aufwand erlernen. Der größte Widerstand ist nur "Ihr eigener Schweinehund". Sie werden merken, dass es nicht nur Ihrem Blutdruck, sondern dem ganzen Menschen (und der Umgebung vielleicht auch) besser gehen wird, wenn Sie entspannter und ausgeglichener sind.

Werden Sie sich auch bitte über Ihre negativen Gefühle klar. Sind wirklich alle anderen außer Ihnen Idioten, die nichts können und ständig falsch entscheiden? Können Sie wirklich keine Verantwortung (Macht) abgeben? Nicht derjenige ist der Beste, der alles selber kann und macht, sondern der die richtigen Leute in seinem Team um sich schart und den richtigen Leuten die richtigen Aufgaben in deren eigener Verantwortung überlässt (das trifft für den Betrieb, die Familie, den Verein usw. zu).

Oder hat dieser Themenbereich für Sie gar keine so große Bedeutung? Vielleicht ist bei Ihnen die richtige

Ernährung

viel wichtiger. Sind Sie übergewichtig, trinken gern einmal ein Gläschen (auch hin und wieder eines zuviel) und essen lieber Schnitzel mit Pommes als Lachs mit Salat? Dann ist eine Ernährungsumstellung für Sie bestimmt angebracht:

  • Meiden Sie Kochsalz (besonders wenn Sie übergewichtig sind). Die Kochsalzfrage wird zwar meist übertrieben, aber einige sprechen auf eine Kochsalzreduktion recht gut an. Gesalzene Erdnüsse und Paprikachips sind dann natürlich tabu (da freut sich auch der Bauch). Aber auch Fleisch, Wurst und Käse sollten Sie dann deutlich reduzieren, denn diese Lebensmittel schmecken nur, wenn sie reichlich Salz enthalten. Natriumreiche Mineralwässer müssen Sie übrigens nicht meiden, da diese eine Hypertonie nicht provozieren, wie in Studien nachgewiesen wurde.
  • Wichtiger noch als Salz zu meiden, ist eine gemüse- und obstreiche Kost. Diese enthält viel Kalium, den natürlichen Gegenspieler des Natriums im Salz-Wasser-Haushalt. Auch Salate und Frischkornbrei können Sie bei guter Verträglichkeit reichlich zuführen. Als Faustregel gilt: 5 am Tag! Das heißt, Sie sollten täglich 5 Portionen Obst oder Gemüse zu sich nehmen, wobei eine Portion etwa eine Faust groß sein sollte (100-200 g). Eine Portion kann durch Obst- oder Gemüsesaft erfüllt werden.
  • Ernähren Sie sich omega-3-fettsäurereich. Omega-3-Fettsäuren sind gesunde, hoch ungesättigte Fettsäuren, von denen wir normalerweise zuwenig in der Nahrung haben (besonders im Vergleich zu den Omega-6-Fettsäuren). Das Verhältnis der beiden Fettsäuren Omega-3:Omega-6 sollte etwa 1:3 bis 1:5 betragen. Dies erreichen wir nicht, wenn wir gelegentlich ein Omega-3-Ei oder Omega-3-Brot verzehren. Diese nachgewiesenermaßen blutdrucksenkenden Fettsäuren finden wir in fetten Kaltwasserfischen (z.B. Lachs, Hering, Thunfisch, Makrele) und im Leinöl (in geringeren Mengen auch in Hanf-, Walnuss-, Raps-, Weizenkeim- und Sojaöl). Täglich eine Portion Fisch oder ein Esslöffel Leinöl sind eine gute Basis.
  • Auch das Anti-Streßmineral Magnesium - in allen grünen Gemüsen und Salaten sowie in Vollkornprodukten enthalten - kann zur Senkung von Hypertonie beitragen.
Nahrungsergänzungen

Unterstützend können auch bestimmte Vitamine und Mineralstoffe in höherer Dosierung, als wir sie üblicherweise mit der Nahrung zu uns nehmen, zur Senkung von Hypertonie beitragen. Die folgenden Substanzen haben eine nachgewiesene Wirkung:

  • Magnesium 300-400 mg täglich
  • Kalzium ca. 1 g täglich
  • Vitamin C ca. 1 g täglich
Heilfasten

1 kg Reduktion entspricht einer durchschnittlichen Senkung von 1-2 mmHg. Mit dem Heilfasten nach Buchinger können Sie in so kurzer Zeit eine so starke Senkung der Hypertonie erzielen, dass der Blutdruck - insbesondere an den ersten Tagen - teilweise dramatisch sinkt. Sollten Sie blutdrucksenkende Medikamente einnehmen, so sollten Sie diese unter fastenärztlicher Aufsicht mit Fastenbeginn deutlich reduzieren oder sogar ganz absetzen. Die blutdrucksenkende Wirkung kommt im Fasten hauptsächlich durch starke Salz- und Wasserverluste (ähnlich einer Wassertablette), später auch durch Entspannungseffekte im Sinne einer Harmonisierung des vegetativen Nervensystems zustande.

Nach
Fastenende kann es wieder zu einem gewissen Blutdruckanstieg kommen, die Werte sind aber deutlich besser als vor dem Fasten. Sollten doch wieder Medikamente eingenommen werden müssen, so ist die Dosis jedoch meist wesentlich niedriger als vorher.

Auch einzelne eingestreute Entlastungstage (z .B. ein Obst-, Saft- oder Reistag pro Woche) können über eine Entwässerung und Entsalzung des Körpers bereits zu einer messbaren Hypertonie - Senkung führen.

Bewegungstherapie

Schauen Sie lieber die Sportsendung "ran" oder gehen Sie lieber selbst sportlich "ran"? Bewegungsmuffel können mit Ausdauersportarten wie Gehen, Wandern (heute heißt das ja attraktiver "Walking" bzw. "Powerwalking" - macht nichts, Hauptsache Sie bewegen sich!), Laufen oder Radfahren nachhaltig ihre Hypertonie senken. Bewegungstherapie wirkt dabei wie ein Beta-Blocker, ohne mit den Nebenwirkungen von Beta-Blockern behaftet zu sein! Blutdruck und Herzfrequenz gehen zurück, Stressbelastungen wirken sich nicht mehr so auf das Herz aus, im Gegensatz zum Beta-Blocker nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit aber zu, ebenso verbessern sich die Fettwerte und das Körpergewicht geht zurück.

Ganz wichtig ist das Einhalten der Anforderungen an ein angemessenes Ausdauertraining:

  • Regelmäßig, mindestens zwei- bis dreimal in der Woche, am besten sogar täglich
  • Mindestens zwanzig Minuten gleichmäßig am Stück, besser sogar dreißig oder sechzig Minuten
  • Moderate körperliche Belastungen mit etwa 2/3 der ohne Symptome bewältigten Maximalbelastung (dies kann aus dem Belastungs-EKG errechnet werden).
  • Grundregel: Laufen, ohne zu schnaufen
  • Faustregel: Der Trainingspuls beträgt 2/3 bis ¾ der Differenz 220 minus Lebensalter Beispiel: Alter 40 Jahre: 220 – 40 = 180, 2/3 davon sind 120, ¾ davon sind 135; der Trainingspuls eines 40jährigen liegt also bei 120 – 135 Schlägen in der Minute, Achtung: Gilt nicht bei Einnahme frequenzverändernder Medikamente wie etwa Beta-Blocker!).
Physikalische Therapie bei Hypertonie

Aus dem Bereich der Physikalischen Therapie wirken Kohlendioxidbäder blutdrucksenkend. Aber auch beruhigende Vollbäder, sofern das Herz dafür ausreichend belastbar ist, mit Zusätzen wie Lavendel, Melisse oder Baldrian sind hilfreich. Wechselwarme Güsse oder Waschungen senken die Hypertonie. Auch ansteigende Arm- oder Fußbäder (bis 39° C) sind angebracht.

Wenn Sie zweimal wöchentlich in eine Sauna gehen, dann tun Sie langfristig etwas besonders Gutes für Ihren Kreislauf. Die warme trockene Luft dehnt die Gefäße aus, was zu einer Hypertonie - Senkung führt. Dabei müssen Sie jedoch einige Punkte beachten:

Der Blutdruck sollte gut eingestellt sein. Mit einem akuten Wert von systolisch 180 oder mehr oder von diastolisch 110 mmHg oder mehr sollten Sie nicht die Sauna besuchen.

  • Wenn der Blutdruck mit Medikamenten - besonders mit gefäßerweiternden Substanzen - zu gut eingestellt ist, so kann es zu einer übermäßigen Absenkung des Druckes mit Kollapsgefahr kommen.
  • Auf keinen Fall dürfen sich Hypertonie-Kranke nach der Sauna plötzlich kalt abkühlen. Beim Sprung ins Tauchbecken können Blutdruckwerte von über 300 mmHg auftreten! Ein gesundes, elastisches Gefäßsystem hält dies aus, möglicherweise aber nicht die bereits vorgeschädigten Arterien des Blutdruckkranken. Langsames Abkühlen der einzelnen Körperteile nacheinander innerhalb von 1-2 Minuten ist aber möglich und notwendig.
Pflanzenheilkunde

Von pflanzlichen Heilmitteln kann man sich bei Hypertonie im Gegensatz zu vielen anderen Erkrankungen keine sehr ausgeprägten Effekte erwarten. Hier sind allenfalls Senkungen um einige Millimeter Quecksilbersäule denkbar. Vielleicht sprechen Sie aber besonders gut darauf an. Probieren Sie ein gut dosiertes Weißdornpräparat aus (z. B. Crataegutt® forte, Regulacor® oder Crataegus Verla® Filmtabletten). Manche Hypertonie-Kranke sprechen auch auf Mistelpräparate an (z.B. Viscysat® Bürger Tropfen oder Misteltropfen Curarina). Pflanzliche Kombinationspräparate sind beispielsweise Ascoviscum® N Tropfen/Kapseln oder Antihypertonikum S Schuck.

Homöopathie

Von der Homöopathie können Sie dann gute Effekte erwarten, wenn das Arzneimittel genau zu Ihrem Krankheitsbild passt. Das homöopathische Mittel, welches jede Hypertonie gut zu senken in der Lage ist, gibt es leider nicht. Hier sind einige Beispiele angegeben und mit Dosierungsempfehlungen in einer Tiefpotenz versehen. Wenn eines dieser Mittel bei Ihnen passt, sollten Sie es dreimal täglich als Tropfen oder Tabletten einnehmen. Eine konstitutionelle homöopathische Behandlung mit einer Hochpotenz ist möglicherweise auch imstande, den ganzen Menschen so ins Gleichgewicht zu bringen, dass auch der Blutdruck normalisiert wird. Eine solche Behandlung sollte aber dem erfahrenen homöopathischen Arzt oder Heilpraktiker vorbehalten bleiben. Hier die Beispiele für die Selbstmedikation:

  • Aconitum D6: besonders bei einer Blutdruckkrise mit hartem Puls, Angst und Unruhe. In der Krise nehmen Sie dieses Mittel alle paar Minuten ein.
  • Arnica D4: bei Hypertonie mit hochrotem Gesicht, Nasenbluten, Ohrensausen.
  • Aurum D6: passt häufig bei älteren Menschen mit Angst, Unruhe und vor allem Traurigkeit.
  • Barium jodatum: bei arteriosklerotischem Bluthochdruck mit Schwindel, Gedächtnisschwäche und Schlaflosigkeit. Es wirkt oft erst nach mehreren Wochen und dann auch weniger auf die objektiven Blutdruckwerte als auf das subjektive Befinden.
  • Secale D6: bei Kältegefühl und Ameisenlaufen der Extremitäten, Blutungsneigung (Nase), migräneartigen Kopfschmerzen.
Ausleitung senkt den Blutdruck

Zum Schluss noch zwei ausleitende Verfahren, nämlich das blutige Schröpfen über den entsprechenden Reflexzonen und der Aderlass aus der Vene. Beides hat eine gute blutdrucksenkende Wirkung, wenn der Patient "vollblütig", also ein rotes Gesicht mit Blutandrang hat. Im Blutbild zeigt sich dann oft ein hoher Hämatokrit, d.h. ein großer Anteil der roten Blutkörperchen. Ein solches Blut ist meist sehr viskös und lässt sich nur schwer durch die Gefäße pumpen, eben nur "mit einem hohen Druck". Der Körper benötigt die Hypertonie geradezu, um die Gewebe ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Tritt hier eine Entlastung durch einen Blutverlust und anschließende Blutverdünnung ein, so kann das Herz das Blut viel leichter transportieren und kommt mit einem geringeren Druck aus.

Besonders Frauen, die in den Wechseljahren eine Hypertonie entwickeln, können von einer solchen Ausleitung profitieren, da der "natürliche Aderlass der Menstruation" so nachgeahmt wird. Gelegentliche, wöchentliche, kleine Schröpfungen oder Aderlässe (100-200 ml) bewirken manchmal wahre Wunder. Diese ausleitenden Verfahren sollten natürlich nur von darin erfahrenen Therapeuten unter gelegentlicher Kontrolle mittels Blutbild durchgeführt werden.

Die Ayurvedische Pancha-Karma-Kur

Ganz zum Abschluss noch etwas ganz Besonderes: Ein umfassendes Heilsystem wie der fünftausend Jahre alte Ayurveda hat ein ganzheitliches Kurverfahren entwickelt, in dem verschiedene Heilverfahren kombiniert werden. Ernährung, Physikalische Therapien, Entspannungstherapien und Ausleitung werden so zu einem sinnvollen Ganzen, welches nicht nur die Seele ins Gleichgewicht bringt, sondern auch den Bluthochdruck häufig normalisiert.
Das
Panchakarma beginnt mit einem mehrtägigen Trinken von Ghee, der geklärten Butter, zum Frühstück und einer leichten, fastenähnlichen Kost. Nach einigen Tagen kommt es dann zu einer großen Ausleitung mit einem Abführmittel (selten bei geeigneter Konstitution auch mit einem Brechmittel). Anschließend werden abwechselnd nährende und ausleitende Einläufe durchgeführt. Parallel dazu finden vegetativ entspannende Massagen statt, die nichts mit dem hierzulande manchmal üblichen "Durchkneten" zu tun haben. Harmonisierende Yoga-Übungen runden das Ganze ab. Für eine Pancha-Karma-Kur sollten Sie sich aber Zeit nehmen. 11 Tage sind das Mindeste, besser sind 14, noch besser 21 Tage. Hierunter konnten schon viele Hypertonie - Patienten ihre Blutdruckmittel reduzieren oder ganz absetzen.

Hypertonie - Welches Verfahren für wen?

Vielleicht kommen Sie schon mit einem der oben angegebenen Naturheilverfahren aus und können einen normalen Blutdruck erreichen, der Ihnen bei guter Lebensqualität zu einem langen Leben verhilft. Sind Sie übergewichtig, so sind Heilfasten und anschließend eine geeignete Ernährung möglicherweise genau das Richtige für Sie. Sind Sie eher ein "Stress-Man", so sollten Sie eher die ordnungstherapeutischen Hinweise beachten.

Viele Hypertonie - Patienten benötigen aber eine Kombination mehrerer der angegebenen Verfahren. Je mehr der Hinweise Sie berücksichtigen und je konsequenter Sie dies tun, umso größere Erfolge werden Sie erzielen. Gegebenenfalls benötigen Sie aber auch die Unterstützung eines erfahrenen Naturheilkundlers, der Ihnen bei der Auswahl und der Durchführung der geeigneten Methoden weiterhilft.

Ganz wichtig: Wer heilt, hat recht! Aber nur wer überprüfbar heilt, hat langfristig Erfolg. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Darum sollten Sie unbedingt mit den im ersten Teil des Beitrages beschriebenen diagnostischen Verfahren den Behandlungserfolg objektiv überprüfen. Haben Sie etwa in der Langzeit-Blutdruck-Messung einen Durchschnittswert von 118/79 mmHg, so können Sie sich gratulieren. Ist der Wert hingegen bei 154/93 mmHg oder kommt es im Belastungs-EKG bei 100 Watt zu einem Anstieg auf 220/110 mmHg, so können Sie sich damit noch nicht zufrieden geben. Dann sollten Sie das Programm intensivieren, möglicherweise benötigen Sie aber auch die Hilfe eines Antihypertonikums (Medikament gegen Hypertonie) - zumindest vorübergehend.

Einmal Blutdruckmittel bedeutet keineswegs immer Blutdruckmittel! Ich habe schon bei so vielen langjährigen Hypertonie - Patienten die Medikamente deutlich reduzieren, manchmal sogar ganz absetzen können, dass ich guten Gewissens sagen kann: Es lohnt sich immer, mit Naturheilverfahren die Hypertonie zu behandeln. Bleiben Sie bei allen Bemühungen aber immer gelassen und optimistisch. Machen Sie sich gerade bei der Blutdrucksenkung keinen unnötigen Druck. Viel Erfolg!  

Literatur:
Schmiedel/Augustin: Handbuch Naturheilkunde, Kap. Bluthochdruck
Martin/Middeke/Pospisil/Völker: Bluthochdruck senken ohne Medikamente

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Aktualisiert: Juni 2010

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