Homocystein – ist die Homocysteinthese tot? Vor wenigen Jahren entdeckten Wissenschaftler Homocystein im Blut als kardiovaskulären Risikofaktor. Homocystein ist eine (nicht eiweißbildende) Aminosäure, die ständig in unserem Stoffwechsel entsteht und in der Regel (wenn genügend B-Vitamine vorhanden sind) gleich wieder abgebaut wird.
Grundlagenexperimente zeigten mehrere Effekte von Homocystein, welche eine
beschleunigte
Die Daten waren
insgesamt so überzeugend, dass die AHA (American Heart Association) das
Homocystein als Risikofaktor in ihre Leitlinien übernahm und unter gewissen
Umständen eine Senkung durch Vitamine empfahl. Sogar deutsche Kardiologen, die
bei zusätzlichen Nährstoffgaben weit zurückhaltender als bei der Verordnung etwa
von
Ein Risikofaktor ist aber nur dann ein Risikofaktor, wenn es nicht nur statistische Zusammenhänge zwischen Höhe des Faktors und Häufigkeit einer Erkrankung gibt, sondern wenn die Senkung des Faktors auch zu einer Senkung der Krankheitshäufigkeit und besser noch der Gesamtsterblichkeit führt. Dazu reichen aber beschreibende Statistiken aus epidemiologischen Studien nicht aus. Vielmehr müssen kontrollierte, randomisierte Interventionsstudien durchgeführt werden, bei denen zufallsmäßig einige Probanden behandelt werden und andere nicht. Das Ganze hat dann auch noch doppelblind zu sein, also weder Proband noch Versuchsleiter wissen, wer was bekommt, bis am Studienende dann der Codeschlüssel gebrochen wird. Zweifel an der Homocysteinthese In den letzten
Jahren erschienen nun zwei große Studien, die in solchen Interventionen den
Einfluss einer Homocysteinsenkung mit B-Vitaminen evaluieren sollten. In einer
norwegischen Studie (NORVIT) erhielten 3749 Männer und Frauen nach einem
Was mich nach Bekanntwerden der Studie am meisten erstaunt hat, war der Kommentar der Studienleiterin (sinngemäß): „Damit ist die Homocystein-These endgültig vom Tisch!“ Das ist schon starker Tobak. Ein solcher Kommentar ist sehr ungewöhnlich und geradezu unwissenschaftlich. Es kommt nämlich immer wieder einmal vor, dass in einer Studie ein bestimmtes Ergebnis herauskommt und in einer anderen ganz ähnlichen Studie ein ganz anderes. Darum haben Statistiker das Instrument der Meta-Analyse entwickelt. Wenn bei einer Zusammenfassung mehrerer gleichartiger Studien ein statistischer Trend für ein Ergebnis resultiert, dann dürfen wir eine Aussage als gesichert ansehen. Beispiel: In zehn Studien (etwa gleiche Größe und Qualität – beides spielt auch noch eine Rolle) ergeben sieben Studien ein positives Ergebnis, eine ein negatives und zwei ein unentschiedenes, dann spricht vieles für das positive Ergebnis. Hätte man aber eine der drei unentschiedenen bzw. negativen Studien isoliert herausgegriffen, wäre man zu einer anderen Schlussfolgerung gekommen – eine Schwalbe macht eben noch keinen Frühling. Warum die Wissenschaftler der NORVIT-Studie ihre Resultate für der Weisheit letzter Schluss halten, ist schon etwas merkwürdig. Ein anderer
wichtiger Aspekt sollte ebenfalls nicht unterschlagen werden: In einer Studie
werden meist ganz bestimmte Einschluss- und Ausschlusskriterien (Alter,
Geschlecht, Vorerkrankungen, Begleitmedikationen) erstellt, um gesichertere
Aussagen bei einer nicht allzu großen Studiengröße erzielen zu können. Die
Ergebnisse sind dann aber auch nur für die Menschen mit den gewählten
Studienbedingungen gültig. Bezogen auf die NORVIT-Studie müsste man also
korrekterweise sagen, dass die Gabe von zusätzlichen B-Vitaminen bei Patienten
direkt nach dem ersten
Kritik an der NORVIT-Studie Ein paar andere
„Kleinigkeiten“ sollten uns auch nachdenklich werden lassen. In der Studie sind
alle, ausnahmslos alle Patienten nach dem
Genau dies ist aber in der NORVIT-Studie geschehen. Man hat – unbeachtet des Ausgangswertes – alle Patienten einer Homocystein senkenden Therapie unterzogen. Man hätte die Studie vielleicht noch „retten“ können, indem man anschließend Subgruppenanalysen durchgeführt hätte, also die Patienten mit hohen Homocysteinausgangswerten getrennt betrachtet hätte. Dies hat man jedoch fatalerweise unterlassen. Es hätte ja dabei herauskommen können, dass Patienten mit hohem Homocystein von einer Senkung profitieren, die anderen aber nicht. Dies ist jedoch meine persönliche Spekulation, die ich – zumindest mit dieser Studie - nicht beweisen kann. Diejenigen, die es hätten beweisen können, haben diese Frage gar nicht gestellt. Oder wollten sie die Antwort darauf gar nicht wissen? Ich bin kein
Freund von „Verschwörungstheorien“, die der „bösen Pharmaindustrie“ gemeine
Machenschaften unterstellen, um angeblich zu beweisen, dass an der
HOPE-2: Keine Hoffnung mehr für Homocystein? Kommen wir zur
nächsten großen Studie (2), die vermeintlich den nächsten Sargnagel der
Homocysteinthese darstellt. Die HOPE-2-Studie (Hoffnung, was für ein schöner
Name für eine Studie!) umfasste 5522 Patienten mit
Also wieder ein
Schuss in den Ofen? Schauen wir uns die Ergebnisse doch einmal im Einzelnen an:
In der Gruppe mit den B-Vitaminen gab es 4 % weniger Herztodesfälle und 2 %
weniger
So, jetzt kommt es aber richtig dick: Dieses Ergebnis wurde in der schriftlichen Publikation (2) genauso veröffentlicht. In der Internetpublikation gibt es aber noch ein kleines „Nebenergebnis“, welches in der Zeitschrift unterschlagen wurde: Die mit den B-Vitaminen behandelten Patienten hatten 25 % weniger Schlaganfälle – und das war sogar statistisch signifikant. Warum wird der Öffentlichkeit diese wichtige Information vorenthalten und nur die „negativen“ Resultate an die große Glocke gehängt? Im Übrigen gilt auch für die HOPE-2-Studie die Kritik, die oben schon bei NORVIT geäußert wurde: Es wurde nicht nach den Ausgangswerten differenziert. Haben Menschen mit hohem Homocystein einen größeren Nutzen? Haben Menschen ohne bereits fortgeschrittene Gefäßerkrankung einen Nutzen? Haben Menschen mit zusätzlichen Risikofaktoren einen größeren Nutzen von einer Homocysteinsenkung? Immerhin ist man diesen Fragen in der HOPE-2-Studie teilweise nachgegangen. In einer Subgruppenanalyse (3) fand man nämlich vor kurzem heraus, dass Patienten mit einer koronaren Gefäßerkrankung von einer Homocysteinsenkung mehr als andere profitieren, wenn
- ♥ Genau das
Letztere war ja zu vermuten. Menschen mit normalen Homocysteinspiegeln
profitieren kaum oder gar nicht, solche mit hohen Werten aber schon! Diese
wesentlich subtilere Analyse wurde bezüglich
Schlaganfällen durchgeführt. Bei
HOPE-2 ist verwässert Einen weiteren,
nicht ganz unwichtigen Punkt möchte ich abschließend auch noch erwähnen. Bei der
HOPE-2-Studie haben wir eine ganz entscheidende „Verwässerung“, die
merkwürdigerweise in der Diskussion gar nicht berücksichtigt wird. Die
HOPE-2-Studie wurde in Amerika durchgeführt. Dort werden aber seit einigen
Jahren Getreideprodukte künstlich mit
Homocysteinthese wirklich tot? So, nun haben Sie differenziertere Fakten zur Verfügung als die meisten Kardiologen, die auch nur das nachbeten, was in den Zusammenfassungen der Studien zitiert ist. Für eine differenzierte Betrachtung fehlt Ihnen die Zeit (oder die Lust). Wenn Ihr Kardiologe Ihnen also wieder einmal von der „Schädlichkeit“ der Homocysteinsenkung durch B-Vitamine berichtet, dann geben Sie ihm dies hier zu lesen. Vielleicht ist er so aufgeschlossen und vorurteilsfrei, dass er auch einmal die andere Seite der Medaille sehen will. Ganz zum
Abschluss noch ein Grund, warum wir stets nur von den negativen, kaum aber von
den positiven Ergebnissen erfahren, was das Homocystein angeht: Wenn es nicht um
das Homocystein, sondern um die
Cholesterinsenkung mit
(1): Bønaa KH, Njølstad I, Ueland PM, Schirmer H, Tverdal A, Steigen T, Wang H, Nordrehaug JE, Arnesen E, Rasmussen K: Homocysteine lowering and cardiovascular events after acute myocardial infarction. N Engl J Med. 2006 Apr 13;354(15):1578-88 (2): Lonn E, Yusuf S, Arnold MJ, Sheridan P, Pogue J, Micks M, McQueen MJ, Probstfield J, Fodor G, Held C, Genest J Jr: Homocysteine lowering with folic acid and B vitamins in vascular disease. N Engl J Med. 2006 Apr 13;354(15):1567-77 (3): Saposnik G, Ray JG, Sheridan P, McQueen M, Lonn E; Heart Outcomes Prevention Evaluation 2 Investigators. Homocysteine-lowering therapy and stroke risk, severity, and disability: additional findings from the HOPE 2 trial.
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz. Alle notwendigen Laboruntersuchungen können in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik oder der Naturheilkundlichen Privatambulanz durchgeführt werden.
Informationen über das Therapieangebot der Inneren Abteilung:
Sagen Sie uns ruhig
mal Ihre Meinung!
Die
Klinik ist nach den Qualitätsgrundsätzen der DIN-EN ISO 9001zertifiziert. Unsere Klinik ist von allen gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland nach § 111 als Rehabilitationsklinik anerkannt. Wir sind außerdem von allen privaten Krankenkassen als gemischte Anstalt anerkannt. Die Kostenübernahme muss aber zuvor bei dem jeweiligen Kostenträger beantragt werden. Bei Rückfragen bezügl. der Kostenübernahme können Sie sich gerne an unseren Verwaltungsleiter, Herrn Schenk, wenden (Servicetel.: 0800 / 8 90 11 00, Tel.: 0561-3108-621, E-Mail) Weitere Fragen?
Telefon +49 (0) 56 1- 31 08 - 102 oder - 622
·
Impressum·
Anfahrt Servicetelefon 0800 / 8 90 11 00 · Info-Fax 0800 / 7 32 73 80 Haftungshinweis: |